Insight · Revenue System

Warum ein neues CRM Ihr Forecast-Problem nicht löst.

Die meisten CRM-Projekte scheitern nicht an der Software. Sie scheitern daran, dass sie ein Systemproblem mit einem Tool beantworten.

Ronny Steinhagen · Lesezeit 4 Minuten

Ein Vertriebsleiter eines mittelständischen Technologieunternehmens sagte mir im ersten Gespräch: „Unsere Probleme sind schnell gelöst, wenn wir endlich ein CRM haben, das den Namen verdient." Er hatte recht mit der Diagnose des Systems – was er hatte, war ein Hybrid aus ERP und Buchhaltung, kein CRM. Er lag falsch mit der Schlussfolgerung.

Denn die Fragen, die sein Geschäftsführer ihm jedes Quartal stellte, hatten mit Software nichts zu tun: Warum weicht der Forecast regelmäßig um 30 Prozent ab? Warum stehen Deals seit vier Monaten in „Verhandlung"? Warum weiß niemand, welche Opportunities wirklich belastbar sind?

Ein neues CRM, in dem die alten Abläufe digital abgebildet werden, ist kein Fortschritt. Es ist das alte Problem mit besserer Oberfläche.

Das Tool bildet ab, was ist – nicht, was sein sollte

Ein CRM ist ein Spiegel. Es zeigt Pipeline-Stufen, Abschlusswahrscheinlichkeiten und Aktivitäten so, wie das Team sie einträgt. Wenn niemand definiert hat, was eine Stufe bedeutet, wann ein Deal von „qualifiziert" nach „Angebot" wandert und wer das entscheidet, dann produziert das System exakt das, was es vorher auch produziert hat: eine Liste von Hoffnungen mit Prozentzahlen daneben.

Ich habe Unternehmen gesehen, die drei CRM-Systeme in acht Jahren eingeführt haben. Jedes Mal mit der Erwartung, dass Transparenz aus der Software kommt. Jedes Mal mit dem gleichen Ergebnis nach zwölf Monaten.

Was vor dem Tool geklärt sein muss

Bevor ein CRM Forecast-Qualität liefern kann, braucht es Antworten auf vier Fragen – und keine davon stellt sich die IT:

Die richtige Reihenfolge

Erst das Revenue-System: Stufen, Kriterien, Verantwortung, Rhythmus. Dann das Tool, das dieses System abbildet und erzwingt. In dieser Reihenfolge ist ein CRM ein Hebel. In der umgekehrten Reihenfolge ist es ein Kostenblock mit Schulungsbedarf.

Der Vertriebsleiter aus dem ersten Absatz hat übrigens ein neues CRM bekommen. Aber erst, nachdem wir vier Monate lang die Pipeline manuell geführt hatten – in einer Tabelle, mit wöchentlichen Reviews, mit Kriterien, über die gestritten wurde. Als das System eingeführt wurde, gab es nichts mehr zu diskutieren. Es hat nur noch abgebildet, was bereits funktionierte.

Ihr Forecast hält nicht, obwohl das CRM steht? Dann ist die Ursache selten im System. Ein kurzes Gespräch klärt, wo sie tatsächlich liegt.

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